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Fratz&Co Oktober 2013

zu unterscheiden, wie bedrohlich ist die jeweilige Situation zuhause – abhängig Alkoholkrankheit kann er folgreich behandelt werden. Oft ist der Hausarzt die erste Anlaufstelle. Machen Sie den ersten Schritt! vom Alkoholisierungsgrad des Handeln Elternteils. Weiters spielt das Phänomen der Co-Abhängigkeit eine große Rolle - das bedeutet: Was tragen die Angehörigen zum Aufrechterhalt der Abhängigkeit bei. So kann z.B. das Aufrechterhalten der Fassade (es soll niemand erfahren, dass ein Elternteil Alkoholprobleme hat) dazu führen, dass Kinder im Erwachsenenalter stark dahingehend orientiert sind, was andere von Ihnen denken. fratz&co: Woran kann man erkennen, dass jemand ein Alkoholproblem entwickelt? Dr. Ulrike Hanko: Erste Warnsignale können beispielsweise sein: Alkohol dient als Problembewältigungsstrategie oder wird zur Entspannung getrunken (der tägliche, automatische (!) Griff zum Bier - es wird nicht mehr darüber nachgedacht, ob ich vielleicht Lust auf etwas anderes hätte), Kontrollverlust beim Trinken, d.h., regelmäßiges, exzessives Trinken, das Trinken kann nicht mehr beendet werden, das Fehlen von alkoholfreien Tagen, oder wenn diese bewusst herbeigeführt werden müssen. fratz&co: Wenn jemand mit einem Alkoholproblem zu Ihnen in die Praxis kommt, wie kann man sich im Groben Therapieverlauf und -dauer vorstellen? Dr. Ulrike Hanko: Diese Antwort ist nicht einfach zu geben, da die Alkoholbehandlung einen dynamischen Prozess darstellt. Wesentliche Inhalte für mich sind: Klärung der Motivation des Klienten und der Angehörigen, Zielklärung, Diagnostik, Entgiftung ja – wo?, Ressourcenaktivierung, Rückfallprophylaxe, Unterstützersysteme, Umgang mit dem „neuen“ Lebensabschnitt. fratz&co: Was ist eigentlich Ziel einer Therapie? Völlige Abstinenz oder kontrollierter Umgang mit Alkohol? Dr. Ulrike Hanko: Wichtig ist zwischen alkoholabhängigen Klienten und Problemtrinkern (jene, die am ehesten in die diagnostische Kategorie „Alkoholmissbrauch“ zugeordnet werden können) zu unterscheiden. Bei alkoholabhängigen Klienten ist das oberste Ziel einer Alkoholbehandlung noch immer eine lebenslange Abstinenz, weil ein kontrolliertes Trinken nicht über einen längeren Zeitraum hinweg durchgehalten werden kann. Zudem setzen Selbsthilfegruppen wie z.B. die Anonymen Alkoholiker eine Abstinenz voraus. Bei Problemtrinken kann das kontrollierte Trinken, d.h. den Alkoholkonsum auf ein gesundheitliches unbedenkliches Maß zu reduzieren, ein mögliches Therapieziel sein. Letztendlich hängt es aber von der Motivation des Klienten ab, an welchem Ziel gearbeitet werden soll. tipp Hilfe Hier erhalten Sie im Fall des Falles Unterstützung ✔Anonyme Alkoholiker, +43 (0)1/799 55 99, www.anonyme-alkoholiker.at ✔Blaues Kreuz Österreich, +43 (0)699/1465 1901, www.blaueskreuz.at ✔ALK-INFO – Internetplattform, +43 (0)1/94 46 217, www.alk-info.com/ vital fratz fratz&co 05/2013 59 www.fratz.at


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