Page 10

Fratz&Co Oktober 2013

www.fratz.at Hexen und Zauberer treiben ihr Unwesen und üble Stiefmütter sowieso. Aber seit der Psychoanalytiker Bruno Bettelheim in den 70er Jahren Eltern aufforderte, Märchen als Erziehungshilfe zu nutzen, ist es quasi amtlich: „Kinder brauchen Märchen“ (so der Titel des Bettelheim-Bestsellers). Familien-Psychologin Dr. Doris Bach bestätigt uns, dass dies seit den 70er Jahren eine unveränderte Tatsache ist: „Märchen sprechen mit ihren Bildern und Symbolen unser Unbewusstes an. Ihre Sprache ist die Sprache der Träume – und damit dem Verständnis der Kinder verwandt. Kinder befinden sich im Alter von etwa drei bis sechs Jahren im sogenannten „magischen Denken“ d.h. naturwissenschaftliches, abstraktes Denken ist ihnen noch fremd. Sie finden ihre Erklärungen für Naturphänomene oder technische Abläufe in magischen Kräften. Märchen thematisieren Gegensätze und Konflikte der menschlichen Psyche und damit existenzielle Lebensfragen. Sie regen die Fantasie an und ermöglichen es dem Kind, sich mit einem Problem auf kindgerechte Art auseinanderzusetzen. Damit haben sie auch heute nichts von ihrer Bedeutung verloren.“ Gerade in Zeiten des zunehmenden Konsums und der immer stärkeren Präsenz sekundärer Wirklichkeiten ist für Kinder das Ursprüngliche ein wichtiger Anker. Die unterschiedlichen Ausprägungen von Gut und Böse zu kennen und zu erkennen, den Wert von Freundschaft zu schätzen und die Fähigkeit zu haben, für Taten einstehen zu können, ist gerade in Zeiten, in denen Mobbing in Schulen an der Tagesordnung ist und Familien zerbrechen wie zersplitterndes Glas enorm wichtig. Marion Roll, die als „Maroan, die Märchenhüterin“ Geschichten erzählt, bringt das auf den Punkt: „Ich denke gerade jetzt, in dieser unserer Who‘s who Dieses bezaubernde Buch stellt uns viele der Wesen aus der Fabelwelt vor: vom Froschkönig bis zu den Bewohnern des finsteren Waldes. www. arsedition.de Zeit, wird es immer wichtiger, sich an Werte zu erinnern, die immer weiter in den Hintergrund gedrängt werden. Unsere Welt verschwimmt immer mehr in Grautönen. Kinder wissen oft gar nicht, was Gut und was Böse ist. Da sind Märchen bestens dazu geeignet, zu signalisieren: Gutes tun bringt Dr. Margarete Wenzel ist Erzählcoach und Seminarleiterin sowie Gründerin und Leiterin der Märchenakademie-Wien Freude und wieder Gutes.“ Uraltes Lebenswissen Das kann Dr. Margarete www.maerchenaka demie-wien.at Wenzel, Erzählcoach und Expertin Seminarleiterin sowie Gründerin und Leiterin der Märchenakademie-Wien, nur bestätigen: „Volksmärchen haben in allen Kulturen eine geschwisterliche Ähnlichkeit. Sie machen sowohl das Allgemeinmenschliche als auch die individuellen Spielarten des Menschlichseins sichtbar. Sie tragen uraltes Lebenswissen und machen es für Gegenwart und Zukunft verfügbar, indem sie es mit starken Bildern verlockend gestalten. Sie haben das Potential verschiedene gesellschaftliche Schichten und Gruppen zu verbinden und in Dialog zu bringen, weil sie unterhaltsam, weise und einfach zugleich sind.“ Wobei das Erzählen ein besonderes Kennzeichen ist. Ihre ganze Kraft 10 fratz&co 05/2013 spezial fratz Fotos: Max Moser, Graz, Unholy Vault Designs by Shutterstock.com, Hersteller, beigestellt


Fratz&Co Oktober 2013
To see the actual publication please follow the link above