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fratz&co Ausgabe 02 2016

Dipl.Päd. Heike Podek fratz&co 02/2016 Familie 8 stoßen könnte, haben große Angst von ihren Eltern getrennt zu werden oder diese sogar zu verlieren, denn sie können noch in keinster Weise einordnen, wie weit die Ereignisse von ihnen weg sind oder inwieweit sie selbst betroffen sein könnten. Schulkinder hingegen sind vor allem daran interessiert, warum das passiert, d.h. sie wollen den Grund für die Taten, die Katastrophen oder die Situationen wissen. Ihr Denken kreist bereits um tatsächliche und mögliche Folgen. Sie wollen also auch wissen, was weiter passiert, ob oder wie Täter bestraft werden, was mit den Opfern passiert und welche Auswirkungen das alles auf ihr eigenes Leben hat. Ab der Pubertät liegt der Fokus des Interesses zunehmend auf der Gruppenzugehörigkeit, anstatt auf dem Individuum. Die Jugendlichen versuchen die Ereignisse im Gesamtzusammenhang zu betrachten, um sie dann auf ihr Leben umzumünzen. Ebenso sind sie an politischen und ethischen Fragen interessiert und erwarten auch von ihren Eltern, dass diese klar Position zu den Ereignissen beziehen. Unabhängig davon, in welcher Altersklasse Ihr Kind gerade ist und welche Fragen, Ängste, Gedanken und Gefühle ihm gerade durch den Kopf gehen, ist es für alle wichtig, über die eigenen Gefühle sprechen zu können. Es ist wichtig, dass sie mit allem, was sie beschäftigt, gehört werden, denn das gibt ihnen das Gefühl ernst genommen zu werden und tröstet sie. Gesellschaftliche Veränderungen gab es schon immer ... Bei all der Sorge, den Ängsten und Verunsicherungen unserer derzeitigen gesellschaftlichen Lebensumstände, ist die aktuelle Situation nichts Neues in der Zeitgeschichte. Auch in früheren Jahren hat es beträchtliche Veränderungen, die mit großen Ängsten einhergingen, bereits gegeben. Erinnern wir uns zurück an die Nachkriegsgeneration der 50iger und 60iger Jahre, die in ständiger Angst vor Hunger lebte oder an die Kinder des kalten Krieges, die sich vor Atombomben fürchteten. Auch Katastrophen wie Tschernobyl sorgten für einen immensen Umwelt-Angstschub. Seit dem 11. September 2001 nimmt die Angst vor Terroranschlägen und Krieg immer weiter zu. Geht man noch weiter in der Geschichte zurück, gibt es unzählige, sehr drastische Beispiele für massive Bedrohungen durch wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Entwicklungen, die mit sehr schlechter medizinischer Versorgung, schrecklichen Hygiene-Bedingungen und mangelhafter Versorgung in einem weltweiten Ausmaß einher ging. Da gab es dann gar keine Chance auf Hilfe für Betroffene, auch nicht die kleinste Möglichkeit von Hilfssendungen und irgendwelche Unterstützungen. Veränderung wird als Bedrohung wahrgenommen Veränderungen machen uns aber auch heute Angst und vor allem dann, wenn sie nicht bewältigbar erscheinen, wir sie als Bedrohung ansehen oder uns schwach und hilflos fühlen. Wenn wir uns also nicht zutrauen, mit dem Neuen und Unbekannten umgehen zu können. Nachdem es aber schon für uns Erwachsenen so schwer ist, mit den Veränderungen umzugehen, wie viel davon kann ich meinem Kind zumuten- auch in Bezug auf eigene Ängste und Verunsicherungen? Die meisten Eltern fragen sich, wie sie ihren Kindern die Entwicklungen erklären sollen, ohne sie zu verunsichern. Sie sind besorgt und wissen nicht, ob oder wie sie mit ihren Kindern über die aktuelle Situation sprechen sollen. Sie fürchten sich davor, ihren Kindern unnötig Angst zu machen. Auch macht vielen die eigene Ohnmacht zu schaffen und sie sind unsicher, wie viel sie ihren Kindern zumuten können Hier erfahren Sie, wie Sie Ihr Kind unterstützen können, mit den aktuellen gesellschaftlichen Veränderungen und Meldungen zurecht zu kommen, ohne es dabei zu überfordern. Tipp 1: Beantworten Sie die Fragen Ihres Kindes einfach und ehrlich Wie auch in anderen „schwierigen“ Bereichen, wie z.B.: Sexualität, Glaube/ Religion u.ä.. empfehle ich Eltern immer, Kindern nur auf das zu antworten, was sie wirklich wissen wollen. Wenn wir ihnen darüber hinaus Informationen anbieten, kann es leicht passieren, dass wir sie damit überfordern. Verwenden Sie einfache Worte und Begriffe, die das Kind verstehen kann. Die Erklärungen sollten alters- und entwicklungsgemäß sein. Darüber hinaus sollten Sie immer ehrlich sein, denn Kinder spüren sofort (oder später), wenn wir nicht aufrichtig und authentisch sind, was dazu führt, dass das Vertrauen und die Beziehung gestört werden. Beziehungsorientierter Coach für Eltern und Kinder in schwierigen Phasen Tel.: 0676/790 58 37 www.beziehungs orientiert.at Fotos: beigestellt


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